SOMNIFICATIONS

(2020)

Album in Vorbereitung

Somnifications hat die fiktive Hörbarmachung des Schlafzustandes zum Thema. Dabei orientiert sich die grobe Struktur des Werks an der wissenschaftlichen Erkenntnis über die menschlichen Schlafzyklen und -phasen. Der sinnlich-poetische Aspekt zielt auf ein Abtauchen in Traumrealitäten ab um diese ins Bewusstsein zu holen und zu verstärken. Amplifikation ist die Verstärkung von Signalen und die Erhöhung von Trauminhalten durch Symbolwelten und Mythologien. Somnifications ist das Wechselspiel beider Lesarten auf auditiver Ebene, ein Spiel mit dem Konkretabstrakten.

Die Betitelung der einzelnen Tracks reflektiert den ästhetischen und mitunter rätselhaften Charakter von feinstofflichen Bewusstseinsebenen. Logische Elemente, die im Wachbewusstsein dominieren, werden zurückgedrängt. Lediglich das Verändern von Frequenzen soll zweimal konkret benannt und als solches „messtechnisch“ erkannt werden – besonders das Zerfallen der Alpha-Wellen (von 8 bis 13Hz) sowie das Schwanken von langsameren Theta- und Delta-Wellen.

Fachliche Unterstützung kam vom Neurologen Dr. Markus Helmhart, dessen Expertise nicht nur Einfluss auf die Komposition, sondern auch auf die Klangregie bei einer Aufführung der Somnifications mittels eines Akusmoniums hat. Er thematisierte nicht nur die räumliche Verortung auftretender Potentiale mitsamt ihrer bestimmten Amplitude im schlafenden Gehirn, sondern lieferte auch selbst Vorschläge für eine Verräumlichung dieser Impulse innerhalb eines Hörraums für Klangprojektion – z. B. beim Auftreten von Vertex-Wellen, Schlafspindeln oder K-Komplexen.

SF (SomniFications) 1­–5 entsprechen einzelnen Schlafzyklen innerhalb einer Nacht, wobei die Traumphasen mit jedem Zyklus länger werden. SF 5 bringt die längste REM-Phase zum Ausdruck, die schnell bewegte Raumklänge (rapid sound movement) für die Interpretation und Wiedergabe impliziert und vorsieht. SF 6 nimmt eine Sonderstellung ein und positioniert sich außerhalb der Schlafstadien. Als Schlussstück mit deutlicher Finalwirkung soll es ein cineastischer Nachspann sein. Programmatisch wird auch der sogenannte Alpdruck mit dem typischen Aufschrecken behandelt. Dazu dient der dreimal vorkommende TITAN AKKORD, ein monolithischer Klangblock mit spezifischer Obertonstruktur, der in eine „Tschinkel Wall“ gegossen ist. Als weiteres Störelement tritt neunmalig die Harlequin Signature in Erscheinung. Angelehnt an Karlheinz Stockhausens Harlekin resp. Der kleine Harlekin repräsentiert dieses kurze rhythmische Pattern einen wiederkehrenden Traumboten, der sich spielerisch, tänzerisch und ein bisschen grotesk in die Traumlandschaften mischt.

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Neurologische Expertise: Dr. Markus Helmhart

Gesang und Stimmakrobatik (Harlequin Signatures): Harley Quinn

Gesang Schlussstück: Alexia Kathmann (Pikarot)

Cover art: Lavinia Lanner (brushstroke no. 25, 2010, 160 x 150 cm; derzeit wird nur ein Platzhalter angezeigt)

Komposition gefördert vom Kulturamt der Stadt Wien, Musikreferat

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acousmonautics

2020, 13 Tracks, Durata: 54’57“

Tracklist:

01)    .   .   .   Decelerating Frequency
02) SF 1 – SignalFlow
03)                TITAN CHORD I
04) SF 2 – SoundField
05) SF 3 – SpaceFactor
06)   .   .   .   Increasing Frequency
07) SF 4 – SuperFrames
08)                TITAN CHORD II
09)                TITAN CHORD III (incl. Harlequin Signature 6)
10) SF 5 – ScienceFiction
11)  __   __  Harlequin Signature 9
12) SF 6 – Intro
13) SF 6 – SoulFlight

Somnifications